CMD-Funktionsstörungen der Kiefergelenke

Ein CMD-Therapiekonzept auf 4 Säulen

Röntgenbild eines Kiefers von der SeiteFehlerhafter Zahnersatz oder Zahnfehlstellungen führen häufig zu Funktionsstörungen der Kiefergelenke. Diese geraten aus der Balance, und es kommt zu einer craniomandibulären Dysfunktion, kurz CMD. Oft sind Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Tinnitus, Augenbeschwerden oder gar Beckenschiefstände die Folge.

Bei Verdacht auf eine CMD untersuchen wir zunächst mit manuellen Techniken und verfeinern die Diagnose durch computergestützte Anlayseverfahren (JMA von Zebris) und bei Bedarf auch durch nicht belastende Magnetresonanztomographien (MRT), die ein exaktes Abbild der Kiefergelenke ermöglichen. 

jma_messvorrichtungSollten sich bei den Untersuchungen Anhaltspunkte für Co-Faktoren aus anderen medizinischen Disziplinen, wie z.B. Neurologie, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Orthopädie etc. ergeben, werden kurzfristig entsprechende Termine vereinbart, um eine bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.

 

Schiene

Anschließend werden geeignete Schienen zur Wiederherstellung der Balance der Kiefergelenke und Linderung der Beschwerden angefertigt. Wichtig für den Behandlungserfolg sind neben der Schiene begleitende physiotherapeutische Maßnahmen, eine verstärkte Selbstbeobachtung zur Vermeidung schädlicher Angewohnheiten wie Knirschen und Pressen während des Tages und Eigenübungen zur Lockerung und Dehnung der betreffenden Muskulatur.

CMD - Craniomandibuläre Dysfunktion

Ein individuelles Therapiekonzept auf 4 Säulen

Die Craniomandibuläre Dysfunktion - kurz CMD - ist ein Krankheitsbild, das etwa 30 % aller Deutschen betrifft -
Tendenz steigend.

Bemerkenswert ist, dass 70 % der CMD-Patienten Frauen sind. Die Ursachen hierfür werden unter anderem im
hormonellen Bereich und der Mehrfachbelastung der Frauen in unserer modernen Gesellschaft vermutet.

Am häufigsten äußert sich die CMD in Spannungskopfschmerzen, die vom Nacken ausgehend über den Hinterkopf in den Schläfenbereich ausstrahlen. Doch leider sind die Craniomandibulären Dysfunktionen das Chamäleon unter den Krankheiten. Die Beschwerden können indivduell unterschiedlichste Symptome hervorrufen und stehen scheinbar in keinem Zusammenhang zu den auslösenden Strukturen. Die Schmerzen können vom Kopf bis zu den Füßen auftreten. In der Folge wird der eigentliche Auslöser häufig erst sehr spät oder gar nicht erkannt.

Deshalb kooperieren wir, sowohl bei der Diagnose, als auch bei der Therapie, fachübergreifend mit Ärzten und Thera-peuten aus den unterschiedlichsten Bereichen. Dieses ganzheitliche Therapiekonzept gibt unseren Patienten die größtmögliche Sicherheit, dass keine mögliche Ursache
und Therapieform unberücksichtigt bleibt.

CMD - was ist das?

Die Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD genannt, ist der Fachausdruck für eine Fehlfunktion des Zusammenspiels zwischen dem Unterkiefer (lat. mandibula) und dem Schädel (lat. cranium). Diese Fehlfunktion kann durch eine Überlastung dieses komplexen Systems, bestehend aus Muskeln, Nerven, Gelenkkapsel, Discus, Kiefergelenk-
köpfchen und Zähnen entstehen.

Das Resultat: Das ganze System ist aus der Balance

CMD-Symptome

CMD-Symptome sind vielschichtig und aufgrund der möglichen Projektion der Schmerzen in andere Bereiche sehr oft nicht im Kieferbereich lokalisiert. Viele Patienten haben häufig eine jahrelange Odyssee bei Orthopäden, Hals-, Nasen- und Ohrenärzten, Augenärzten, Neurologen und Schmerztherapeuten hinter sich. Manchmal ist die CMD auch nur der unerkannte Mitauslöser eines Beschwerde-bildes, der eine erfolgreiche Therapie verhindert.

Mögliche Symptome sind:
• Nackenschmerzen
• Kopfschmerzen
• Rückenschmerzen
• Muskelbeschwerden durch Dysbalancen
oder Wirbelsäulenblockaden
• Augenflimmern, Doppelsehen
oder Augenhintergrundschmerzen
• Schwindel
• Tinnitus oder Ohrgeräusche
• Eingeschränkte oder schmerzhafte Mundöffnung
• Knacken der Kiefergelenke
• Schluckbeschwerden


CMD-Ursachen

Die Hauptursache für CMD ist psychischer Stress und daraus resultierendes exzessives Knirschen mit den Zähnen oder ständiges Zusammenpressen, vor allem nachts. Weitere Ursachen einer CMD können im Kieferbereich selbst liegen. So sind z.B. fehlende Zähne, zu hohe oder zu niedrige Inlays, Füllungen, Kronen oder Brücken, aber auch kieferorthopädische Behandlungen in der Vergangenheit mögliche Auslöser. Ebenso können Fehlstellungen oder Beschwerden im Haltungs- und Bewegungsapparat eine CMD verursachen, da dieser über neuronale und muskuläre Funktionsketten mit dem craniomandibulären System verbunden ist.


CMD-Untersuchung

Bei Verdacht auf eine CMD untersuchen wir die Kiefer-gelenke und die beteiligte Muskulatur zunächst durch Abtasten und passives Bewegen der Gelenke und Muskeln. In Kombination mit der Vermessung der Bewegungsbahnen und -grade erhalten wir einen ersten Überblick über den Zustand des craniomandibulären Systems.

Eine im digitalen Orthopantomographen angefertigte Panoramaaufnahme dient der Beurteilung der knöchernen
Gelenkanteile und ist zum Ausschluss klinisch nicht erkennbarer knöcherner Befunde erforderlich. Erhärtet sich der Verdacht der CMD, verfeinern wir die Diagnose durch ein modernes computergestütztes Bewegungsanalyse-
verfahren. Wird eine Verlagerung der Gelenkscheibe oder eine Ansammlung von Entzündungsflüssigkeit im Kiefergelenk vermutet, veranlassen wir bei Bedarf eine strahlenfreie Magnetresonanztomographie (MRT), die ein exaktes Abbild der Kiefergelenke und der nichtknöchernen Strukturen ermöglicht.

Bestehen darüber hinaus Verdachtsmomente im Hinblick auf knöcherne Auslöser einer CMD, erstellen wir in einem digitalen Volumentomographen, kurz DVT, eine dreidimensionale Schichtaufnahme der Gelenkkapsel.

Bei weitergehendem Untersuchungsbedarf lassen wir bei unseren diagnostischen Kooperationspartnern eine
Filmsequenz der Gelenkbewegungen anfertigen. Diese Untersuchung erfolgt in einem Computertomographen und dauert nur wenige Sekunden.

Sollten sich bei den Untersuchungen Anhaltspunkte für Ursachen aus anderen medizinischen Disziplinen, wie
Orthopädie, Neurologie, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Augenheilkunde, Psychotherapie etc. ergeben, vereinbaren wir kurzfristige Termine bei den entsprechenden Fachärzten, um eine bestmögliche Therapie zu gewährleisten.

CMD-Behandlung

Unsere individuelle CMD-Behandlung stützt sich, je nach Beschwerdebild, auf bis zu vier Säulen:

1. Funktionstherapie
2. Physiotherapie der betroffenen Muskeln und Gelenke
3. Selbstbeobachtung zur Bewusstmachung von
schädlichen Angewohnheiten, wie z. B. Pressen
und Knirschen mit den Zähnen
4. Übungen, die der Patient selbstständig durchführt

Die Dauer der Behandlung ist individuell verschieden und abhängig vom Schweregrad, den Auslösern und der Art der CMD. Sie kann von 2 Monaten bis zu 2 Jahren dauern.

Da das Beschwerdebild durch Einflussfaktoren im gesamten Bewegungsapparat, sprichwörtlich „von Kopf bis Fuß", be-einflusst sein kann, ziehen wir gelegentlich auch Orthopäden hinzu, die Fehlstellungen der Füße durch sensomotorische Einlagen korrigieren. In diesen Fällen ist es besonders wichtig, die zahnärztliche und orthopädische Therapie genauestens zu koordinieren, da diese gleichzeitig und falsch eingesetzt, ihre Wirkung gegenseitig aufheben können.

1. Funktionstherapie

Bei entsprechender Indikation werden Funktionsschienen zur Wiederherstellung der Balance der Kiefergelenke, zur Entspannung der Muskulatur und zur Linderung der Beschwerden angefertigt. Die Form, Aufbisshöhe und das Material der Schienen, aber auch ihre Trageweise und Tragedauer sind abhängig vom jeweiligen Befund.

Je nach Schienenart, werden die Bewegungen der Kiefer-gelenke und die Positionen von Ober- und Unterkiefer
dreidimensional vermessen und registriert, um eine bestmögliche Funktion der Schiene zu gewährleisten.

In den meisten Fällen setzen wir eine von uns selbst ent-wickelte zweigeteilte Stabilisierungsschiene ein, bei der
die Frontzähne frei bleiben. Dies erhöht den Tragekomfort, da keine Einengung des Zungenraumes erfolgt.

In der Regel werden diese Schienen nur nachts getragen, da die Schutzreflexe, die uns tagsüber davor bewahren stark zu pressen oder zu knirschen, im Schlaf ausgeschaltet sind. Besteht temporär die Notwendigkeit, die Schiene rund um die Uhr zu tragen, schränkt die Zweiteilung nicht beim Sprechen ein.

2. Physiotherapie

Die Funktionstherapie kommt meist nicht ohne eine begleitende Physiotherapie aus. Hier kommt es vor allem auf eine entsprechende Schulung des Physiotherapeuten im Bereich der CMD an. Auf einer detaillierten Überweisung
teilen wir Befunde und Diagnosen mit, sodass eine zielgerichtete Therapie erfolgen kann. Diese erstreckt sich aufgrund der funktionellen Wechselwirkungen nicht nur auf den Bereich der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur, sondern auch auf den Nackenbereich und ggf. auf weitere Bereiche des Bewegungsapparates.


3. Selbstbeobachtung

Die Selbstbeobachtung dient der Bewusstmachung von schädlichen Angewohnheiten, wie z.B. Pressen und Knirschen mit den Zähnen. Ohne es zu merken bringen viele Patienten auch tagsüber ständig ihre Zähne in Kontakt. Sie pressen bei Stress die Zähne zusammen oder knirschen mit dem Unterkiefer. Dies führt zu einer Überlastung der betreffenden Strukturen, wie Muskeln, Gelenke und Nerven. Bei geschlossenem Mund sollten sich Ihre Zähne nicht berühren, sondern in geringem Abstand übereinander schweben. Die Zähne sollen sich nur beim Kauen oder Schlucken kurz berühren, das sind insgesamt höchstens 15 Minuten am Tag.
Zur Selbstkontrolle erhalten Sie von uns kleine rote Klebepunkte, die Sie z. B. auf Armbanduhr, Computer, Rückspiegel oder das Smartphone kleben. Jedesmal wenn Sie einen Aufkleber bemerken, kontrollieren Sie die Stellung
Ihrer Zähne zueinander. „Ertappen" Sie sich mit Zahnkontakt, öffnen Sie den Mund für ca. 10 Sekunden weit. Anschließend schließen Sie entspannt den Mund und achten darauf, dass sich die Zähne nicht berühren. Halten Sie Ihre Lippen geschlossen, aber die Zähne auseinander.
Verzichten Sie auf das Kauen von Kaugummi o.ä., da dies ihre ohnehin angespannte Kaumuskulatur und die
Gelenkstrukturen weiter reizt. In Phasen akuter Beschwerden sollten zudem harte und zähe Speisen zu Gunsten weicher Kost gemieden werden.
Einigen Patienten hilft eine Änderung ihrer Schlafposition. In seitlicher Schlaflage kommen unsere Zähne leichter in Kontakt. Versuchen Sie auf dem Rücken liegend einzuschlafen. Da wir ungefähr Zweidrittel des Schlafes in der Einschlafposition verbringen, reduziert sich häufig bereits durch diese Umstellung das nächtliche Pressen
und/oder Knirschen.


4. Selbstständig durchgeführte Übungen

Einfache Übungen zur Lockerung, Dehnung und Entspannung der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke bilden eine wichtige Säule der Behandlung. Diese Übungen können zu Hause oder unterwegs ohne großen Aufwand in den
Tagesablauf eingebaut werden. Durch die Übungen wird die Muskulatur gelockert, die Gelenke werden entlastet und beweglicher. Daraus folgt eine verbesserte Koordination und Positionierung der Kiefergelenke, was für die Wiederherstellung der Gelenkbalance unerlässlich ist.

Temperaturanwendung
Wärme- bzw. Rotlichtanwendungen im Bereich der Muskulatur können ebenfalls zur Lockerung und Verminderung
der Schmerzen führen. Bei akuten Gelenkschmerzen kann auch die Anwendung von Kälte bzw. Kühlpacks nützlich sein. Diese sollte immer wieder unterbrochen werden, um Erfrierungen der Haut zu vermeiden.

 

 

 

 

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Privatpraxis für Zahmedizin
Dr. Kent und Kollegen
Dr. Hamdi Kent

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*Im Grönemeyer Institut
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